Fungizidversuch ARGE (Schmedenstedt) 2025

Im Versuchsjahr 2025 hat die ARGE NORD e.V. wieder Fungizidversuche mit unterschiedlichen Strategien zur Bekämpfung von Cercospora, Rost und Mehltau durchgeführt. 13 verschiedenen Versuchsvarianten, unterteilt in vier Blöcke, wurden an drei Standorten (n=3) getestet: Schmedenstedt (LK Peine), Hankensbüttel und Barum (LK Uelzen). Neben den verschiedenen Behandlungen waren zwei unterschiedliche Sorten integriert: BTS 7300 N, eine mittelanfällige Sorte hinsichtlich Cercospora (Block I bis III), sowie Blandina KWS, eine der bekannten CR+ Genetiken der KWS, welche eine sehr hohe Blattgesundheit hinsichtlich Cercospora beticola aufweist (Block IV). Aussaatdatum war am Standort Schmedenstedt der 24.03.2025 auf Engsaat. Am 06.05.2025 wurden die Rüben vereinzelt. Beerntet wurde der Versuch am 28.10.2025.

Zum Versuchsaufbau: Der Fungizidversuch wurde in vier verschiedene Versuchsblöcke eingeteilt, wobei in den Blöcken I bis III die Sorte BTS 7300 N stand, in Block IV die cercosporatolerante Sorte Blandina KWS.
Block I stellte ein Strategievergleich nach dem üblichen Bekämpfungsschwellensystem (BKS) dar, wobei unterschiedliche Wirkstoffstrategien getestet wurden. Zum einen wurde der Einfluss unterschiedlicher Wirkstoffabfolgen innerhalb einer Fungizidstrategie untersucht. Dabei stellte die Variante 2 eine Strategie dar, bei der die Behandlung mit einem weniger wirksamen Produkt beginnt und im weiteren Verlauf auf ein leistungsstärkeres Produkt umgestellt wird. Dieser Strategie stand Variante 3 gegenüber, bei der zu Beginn ein potentes Fungizid eingesetzt und anschließend auf Produkte mit abnehmender Wirkungsstärke gewechselt wird. In den Varianten 4 bis 6 wurde der Zusatz von Kupfer untersucht. Variante 7 basierte auf dem Einsatz von Propulse, ohne Wirkstoffwechsel.
Der zweite Block sollte stellte einen Strategievergleich dar, bei dem die Anzahl bzw. Häufigkeiten an Fungizidbehandlungen gesteigert wurde, um feststellen zu können, ab welcher Anzahl Spritzungen der weiterer Einsatz von Fungiziden keinen Mehrertrag mehr liefert. Neben der Anzahl Spritzungen, wurde die Terminierung der Applikationen überprüft. Der erste Applikationstermin wurde dabei bei Erreichen der üblichen 5%-Schwelle gesetzt, alle weiteren Bekämpfungsmaßnahmen wurden in einem festen Abstand von 14 Wochen durchgeführt. Es wurde lediglich ein Produkt (Propulse, vgl. Var. 7) eingesetzt, da hier neben der Anzahl an Behandlungen, die Terminierung im Fokus stand (Variante 8 bis 11).
Innerhalb des dritten Blockes wurde eine Variante (Variante 12) nach Berücksichtigung des Befalls und der Infektionsbedingungen anhand des Prognosesystems Cercbet 1 getestet, wodurch sich ein verspäteter Applikationstermin ergab (Variante 12).
Im vierten Block wurden individuelle Applikationszeitpunkte nach Bekämpfungsschwellensystem anhand der gesunden CR+ Sorte gesetzt (Variante 13).

Ab Mitte Juni wurden wöchentlich die Befallshäufigkeiten im Versuch bonitiert. Am 11.08.2025 erreichten alle Varianten der BTS 7300 N 100 % Befallshäufigkeit. Die CR+ Sorte zeigte zu dem Zeitpunkt eine Befallshäufigkeit von 60 % von Cercospora, allerdings konnte deutlich mehr Rost und Mehltau in der CR+Genetik beobachtet werden. Ab diesem Zeitpunkt wurde daher die Befallsstärke in beiden Sorten in den folgenden Wochen bis zum Erntezeitpunkt bonitiert.

Mitte/Ende September konnten bereits deutliche Differenzierungen zwischen den einzelnen Strategien in der Befallsstärke (s. Grafik Befallsstärke vom 22.09.2025) beobachtet werden. Während Amistar Gold als schwaches Produkt zur 1. Applikation (Var. 2) deutlich höhere Befallsstärken von knapp 74 % zeigte, lag das Befallsniveau von der Variante mit Propulse als erstes eingesetztes Produkt deutlich niedriger bei 47,5 % (Var. 3). Funguran Progress als erste Maßnahme zeigte eine Befallsstärke von etwa 60 %. In Variante 5 wurde eine vorzeitige Applikation zu Bestandesschluss mit Kupfer (SolaVit Cu) durchgeführt, welches das Befallsniveau allerdings nicht herabsetzen konnte. In Variante 6 wurde ebenfalls eine vorzeitige Behandlung mit Kupfer zu Bestandesschluss durchgeführt und zusätzlich im Vergleich zur Variante 5 ein Zusatz von Kupfer zu den einzelnen Produkten Propulse, Diadem und Amistar Gold eingesetzt. Die Kombination aus den jeweiligen Produkten und Kupfer wirkte sich positiv auf den Bekämpfungserfolg von Cercospora aus, da deutlich geringere Befallsstärken beobachtet werden konnten. Ebenso zeigte die Variante der dreimaligen Applikation mit Propulse einen niedrigen Befall mit Cercospora (Var. 7). In Block II zeigte sich das Potential vom reinen Propulse-Einsatz noch einmal sehr deutlich, wobei je öfter eine Maßnahme mit Propulse gefahren wurde, desto niedriger lag das Befallsniveau (Vgl. Var 8 bis 11). Dennoch sollten gerade an Beregnungsstandorten, wie Schmedenstedt, mindestens drei Maßnahmen mit Propulse gesetzt werden, um eine sichere Bekämpfung von Cercospora erzielen zu können. In der Variante im Block III mit verspäteter 1. Maßnahme (nach Prognosesystem) und 14-tägigen Folgemaßnahmen konnte ein ähnlich geringes Befallsniveau von Cercospora festgestellt werden (Vgl. Var. 9-11 aus Block II und Var. 12, Block III). Die geringsten Befallsstärken konnten in der CR+ Sorte durch den Einsatz von Propulse nach individueller Bekämpfungsschwelle beobachtet werden. Beide Varianten der CR+ Sorte wurden dabei zweimalig behandelt. Zum Zeitpunkt der Ernte (Mitte/Ende Oktober) differenzierten alle Varianten optisch ähnlich stark wie Mitte/Ende September, dennoch auf höherem Befallsniveau.

Hinsichtlich der Zuckererträge spiegelt sich die optische Bonitur der Befallsstärke in den Erträgen wider. Den niedrigsten Zuckerertrag zeigte, wie zu erwarten, die unbehandelte Kontrolle der BTS 7300 N. Deutlich höhere Erträge konnten durch die unterschiedlichen Kombinationen und Strategien erzielt werden. In Block I zeigte sich folgendes: Wird zur 1. Applikation mit dem potenten Produkt Propulse gefahren, gefolgt von Diadem (2. Applikation) und Amistar Gold (3. Applikation) können deutlich höhere Erträge erzielt werden, im Vergleich zur entgegengesetzten Spritzmittelreihenfolge (Vgl. Var. 2+3). Eine vorzeitige Behandlung mit Kupfer zu Bestandesschluss, gefolgt von drei weiteren Applikationen mit den Produkten Propulse, Diadem und Amistar Gold führte zu keinem Mehrertrag. Dennoch zeigte sich ein positiver Effekt durch die Zugabe von Kupfer zu den einzelnen gefahrenen Produkten Propulse, Diadem und Amistar Gold. Die dreimalige Behandlung nach Bekämpfungsschwellensystem mit Propulse erzielte die höchsten Erträge im ersten Versuchsblock.
Im Block II sollte untersucht werden, inwiefern sich Unterschiede ergeben, wenn die 1. Maßnahme bei Erreichen der Bekämpfungsschwelle von 5% gesetzt wird, alle weiteren Maßnahmen immer im festen Abstand von 14 Tage gefahren werden (Var. 8-11). Ebenfalls wurde die unterschiedlichen Anzahl an Behandlungen mit Propulse verglichen. Der Systemvergleich zeigte, dass ein fester Spritzabstand von 14 Tagen funktioniert. Dabei konnten jedoch höhere Erträge erzielt werden, je häufiger mit Propulse behandelt wurde.
Der Vergleich mit Variante 12 (Block III), mit verspätetem 1. Applikationstermin (ca. 1 Woche später als in Block II nach BKS) und festem Abstand von 14 Tagen bei den Folgemaßnahmen erzielte ebenso hohe Zuckererträge.

Die Cercospora-tolerante Sorte Blandina KWS, welche zweimalig mit Propulse behandelt wurde (Var. 13), zeigte die beste optische Bonitur in der Befallsstärke. Allerdings liegt diese Sorte genetisch bedingt auf deutlich niedrigerem Ertragsniveau als die Sorte BTS 7300 N. Für Starkbefallsstandorte stellen die CR+ Sorten hinsichtlich der Sortenwahl dennoch eine sichere Option und Absicherung des Zuckerertrages dar.