Die Ausbreitung der Schilfglasflügelzikade als Vektor für die bakteriellen Erkrankungen SBR und Stolbur schreitet voran. Inzwischen ist nicht nur der süddeutsche, sondern auch der norddeutsche Rübenanbau von den Krankheiten betroffen. Insbesondere im Einzugsgebiet der Zuckerfabrik Klein Wanzleben wurden in den letzten Jahren beide Erreger festgestellt.
Zur Kontrolle der Krankheiten wird an der Bekämpfung des Vektors gearbeitet. Neben der Anpassung der Fruchtfolge wird auf den Einsatz von Insektiziden gesetzt. Hier besteht bislang die methodische Herausforderung in der Messung der Wirksamkeit. Im besten Fall kann die Wirksamkeit von Insektiziden anhand der Mortalitätsrate der Zikaden nachgewiesen werden. Dies ist jedoch im Freiland kaum möglich, da der Ausgangsbestand nicht sicher erfasst werden kann und zudem innerhalb des Feldes stark variiert. Auch der Bestand nach der Applikation ist nicht erfassbar. Deshalb kann der Erfolg der Bekämpfung nur über die Symptomausprägung an der Pflanze oder den Ertragsunterschieden ermittelt werden.
In der Mittelprüfung, die koordiniert über die Südzucker AG in mehreren Regionen angelegt wurde, wurden verschiedene Insektizide und Insektizidkombinationen getestet. Eine Bonitur auf Symptomausprägung erfolgte nicht. Auch in dieser Versuchsserie sollte der Bekämpfungserfolg indirekt über den Ertrag ermittelt werden. Ebenso wie der Abdeckversuch litt auch die Mittelprüfung unter starker Trockenheit. Die Zuckererträge liegen deshalb auf sehr niedrigem Niveau. Zwischen den Insektizidvarianten bestehen auf dem Standort Parchau keine signifikanten Unterschiede. Die Gründe dafür können vielschichtig sein. Am wahrscheinlichsten ist es, dass der Trockenstress die Krankheitseffekte überlagert. Andere Gründe können die niedrige Zikadenpopulation oder die nicht vorhandene Wirkung der Insektizide sein.
Die koordinierten Versuche auf den weiteren Standorten zeigen, dass durch den Einsatz von Insektiziden durchaus Effekte erzielt werden können. Dies wurde sowohl in Parzellen- aber auch in Streifenversuchen festgestellt. Insbesondere die Mehrfachapplikation eines Kontaktinsektizids in Kombination mit einem systemischen Insektizid konnten signifikante Ertragssteigerungen gegenüber der unbehandelten Kontrolle erzielt werden.


