Am Standort Parchau in Sachsen-Anhalt hat die ARGE NORD e.V. einen vom Institut für Zuckerrübenforschung (IfZ) koordinierten Sortenversuch zum Auftreten des Syndrome Basses Richesses (SBR; Syndrom der niedrigen Zuckergehalte) durchgeführt. Dieser Versuch war kombiniert mit einer Sonderprüfung des Bundessortenamtes. Geprüft wurden sowohl zugelassene, als auch noch in der Zulassung befindliche Sorten.
SBR wird durch die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) in den Bestand eingetragen. Die Zikade saugt an den Blättern und überträgt ein Proteobakterium (Candidatus Arsenophonus Phytopathogenicus) sowie ein Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma Solani) in die Rübe. Um Ihren Entwicklungszyklus vollständig durchlaufen zu können, benötigt die Zikade Fruchtfolgen mit Zuckerrüben und darauf folgendem Winterweizen. Die von den Erregern verursachte Symptomatik im Bestand ähnelt der einer virösen Vergilbung. Im Spätsommer treten erste Symptome auf. Die Blätter vergilben im oberen Bereich – die Vergilbung sitzt zwischen den Blattadern. Die Herzblätter einer SBR-infizierten Rübe sind schmal, lanzettlich geformt und asymmetrisch. Das ältere Rübenblatt ist hellgrün bis gelblich aufgehellt. Am Rübenkörper kann es zu einer Verbräunung der Gefäßbündelringe kommen. Zudem können die Rübenkörper eine gummiartige Struktur (Rubbery Tap Root (RTD)) annehmen. Dadurch wird die Verarbeitung in den Zuckerfabrik massiv erschwert. SBR kann zu absoluten Zuckergehaltsverlusten von 2 – 4 % und zu starken Zuckerertragsverlusten führen.
Auf dem Standort Parchau wurden im SV-SBR 24 Versuchsglieder auf Ihre Anfälligkeit gegenüber SBR geprüft. Der Befall konnte in Parchau anhand von Labortests betroffener Rüben nachgewiesen werden. Als Verrechnungssorten wurden Lunella KWS, Fitis und Kakadu gesetzt. Zudem lief eine als anfällig ausgesuchte Indikatorsorte mit.
Damit gesicherte Aussagen zur Sortenleistung unter SBR-Befall getroffen werden können, reicht der Blick auf die Ergebnisse eines Standorts in einem Jahr nicht aus. Daher wird an dieser Stelle auf die bundesweiten dreijährigen Versuchsergebnisse von 2023-2025 eingegangen. Als toleranteste Sorte gilt weiterhin die Sorte Fitis von SESvanderHave (Neu: UBS). Sie zeigt einen mittleren Zuckerertrag von 103,7%. Ammer (102,7) und Michelangelo (102,7) folgen. Sowohl Fitis, als auch Ammer sind zudem Nematodentolerant. Die süßesten Sorten im SV-SBR sind Lorenza KWS (103,6), Fitis (103,1) und BTS 4200 N (102,5). Die Sorte mit dem höchsten Rübenertrag ist Ammer.


