Im Versuchsjahr 2025 führte die ARGE NORD e.V. eigene Versuche zu unterschiedlichen Strategien zur Bekämpfung von Cercospora, Rost und Mehltau durch. Insgesamt wurden diese Versuche an drei unterschiedlichen Standorten (n=3) angelegt. Neben Schmedenstedt und Hankensbüttel erfolgte dies auch am Standort Barum (LK Uelzen).
Angelegt wurde der Versuch mit zwei unterschiedlichen Sorten: BTS 7300 N, eine mittelanfällige Sorte hinsichtlich Cercospora, sowie Blandina KWS, eine der bekannten CR+ Sorten der KWS, welche eine sehr hohe Blattgesundheit hinsichtlich Cercospora aufweist. Aussaatdatum war der 25.03.2025 auf Engsaat. Die Vereinzelung am Standort Barum war am 06.05.2025 abgeschlossen. Beerntet wurde der Versuch am 20.10.2025.
Zum Versuchsaufbau: Der Fungizidversuch wurde in vier verschiedene Versuchsblöcke eingeteilt, wobei in den Blöcken I bis III die Sorte BTS 7300 N stand, in Block IV die cercosporatolerante Sorte Blandina KWS.
Block I stellte ein Strategievergleich nach dem üblichen Bekämpfungsschwellensystem (BKS) dar, wobei unterschiedliche Wirkstoffstrategien getestet wurden. Zum einen wurde der Einfluss unterschiedlicher Wirkstoffabfolgen innerhalb einer Fungizidstrategie untersucht. Dabei stellte die Variante 2 eine Strategie dar, bei der die Behandlung mit einem weniger wirksamen Produkt beginnt und im weiteren Verlauf auf ein leistungsstärkeres Produkt umgestellt wird. Dieser Strategie stand Variante 3 gegenüber, bei der zu Beginn ein potentes Fungizid eingesetzt und anschließend auf Produkte mit abnehmender Wirkungsstärke gewechselt wird. In den Varianten 4 bis 6 wurde der Zusatz von Kupfer untersucht. Variante 7 basierte auf dem Einsatz von Propulse, ohne Wirkstoffwechsel.
Der zweite Block sollte stellte einen Strategievergleich dar, bei dem die Anzahl bzw. Häufigkeiten an Fungizidbehandlungen gesteigert wurde, um feststellen zu können, ab welcher Anzahl Spritzungen der weiterer Einsatz von Fungiziden keinen Mehrertrag liefert. Neben der Anzahl Spritzungen, wurde die Terminierung der Applikationen überprüft. Der erste Applikationstermin wurde dabei bei Erreichen der üblichen 5%-Schwelle gesetzt, alle weiteren Bekämpfungsmaßnahmen wurden in einem festen Abstand von 14 Wochen durchgeführt. Es wurde lediglich ein Produkt eingesetzt, da hier neben der Anzahl an Behandlungen, die Terminierung im Fokus stand (Variante 8 bis 11).
Innerhalb des dritten Blockes wurde eine Variante (Variante 12) nach Berücksichtigung des Befalls und der Infektionsbedingungen anhand des Prognosesystems Cercbet 1 getestet, wodurch sich ein verspäteter Applikationstermin ergab (Variante 12).
Im vierten Block wurden individuelle Applikationszeitpunkte nach Bekämpfungsschwellensystem anhand der gesunden CR+ Sorte gesetzt (Variante 13).
Ab dem 18.06.2025 wurden wöchentlich die Befallshäufigkeiten im Versuch bonitiert (siehe Grafik Befallshäufigkeiten). Am 11.08.2025 erreichte bereits die unbehandelte Kontrolle eine Befallshäufigkeit von 100 %. Die behandelten Varianten hingegen lagen zwischen 32 und 94 %. Die CR+ Sorte zeigte zu dem Zeitpunkt eine Befallshäufigkeit von etwa 35 % von Cercospora, allerdings konnte deutlich mehr Rost (etwa 80 %) in der CR+ Genetik bonitiert werden. Ab dem 18.08.2025 wurde der Versuch im weiteren Vegetationsverlauf auf die Befallsstärke bonitiert.
Mitte September spiegelten sich die ersten Differenzierungen zwischen den behandelten Varianten in der Befallsstärke wider. Tendenziell negativ fiel zu diesem Zeitpunkt die Variante 2 auf, bei der die Rüben zunächst mit Amistar Gold behandelt wurden, gefolgt von Diadem und Propulse in der 2. und 3. Applikation (ca. 42 % Befallsstärke). Ebenfalls schwächer fielen die Varianten 5 (26 % Befallsstärke) und 8 (23,3 % Befallsstärke) auf. Die unbehandelte Kontrolle lag Mitte September, wie erwartet, bereits auf einem deutlich höheren Befallsstärke-Niveau von Cercospora (ca. 87 %).
Bis Anfang Oktober konnte ein deutliches Fortschreiten der Cercosporaentwicklung im Versuch beobachtet werden. So konnten am 01.10.2025 nochmal deutlichere Differenzierungen in der Befallsstärke von Cercospora am Standort Barum festgestellt werden. Die unbehandelte Kontrolle am Standort Barum am 01.10.2025 zeigte eine Befallsstärke von nahezu 100 % . Die durchgeführten Maßnahmen und Strategien führten zu einer deutlich niedrigeren Befallsstärke von Cercospora. Während die Variante 2 (Amistar Gold als erstes eingesetztes Produkt) Anfang Oktober über 50 % Befallsstärke von Cercospora aufwies, lagen die Varianten 3 bis 7 deutlich darunter (Range 36,3 % bis 9,3 %). Eine vorzeitige Behandlung zu Bestandesschluss mit Kupfer zeigte am Standort Barum einen positiven Effekt (Var. 5; 23,3 % Befallsstärke). Eine weitere Verbesserung stellte die Kombination aus dem jeweiligen Produkt plus Kupfer dar (Var. 6; 11,8 % Befallsstärke). Die effektivste Variante war im ersten Block die dreimalige Behandlung mit Propulse. Dabei lag die Befallsstärke von Cercospora bei ca. 9% (Var. 7).
Im Block II erfolgte die 1. Maßnahme mit Propulse nach Erreichen der Bekämpfungsschwelle von 5 %, alle weiteren Folgemaßnahmen mit Propulse wurden in einem festen Abstand von 14 Tagen nach vorheriger Maßnahme gesetzt. Auch am Standort Barum zeigte sich, dass eine häufigere Applikation mit Propulse zu deutlich geringerem Cercospora-Befall führte (Var. 8-10). Variante 11 in Block II wurde am Standort Barum nicht geprüft. Ein verspäteter 1. Applikationstermin, wie in Variante 12, zeigte sich ebenfalls positiv hinsichtlich der Befallsstärke (9,8 %) . Den niedrigsten Befall mit Cercospora zeigte die CR+-Genetik in Block IV nach zweimaliger Behandlung mit Propulse (Var. 13; 2,8 % Befallstärke von Cercospora). Eine weitere Bonitur der Befallsstärke kurz vor der Ernte zeigte ähnliche Differenzierungen der einzelnen Strategien, allerdings auf einem höheren Niveau (s. Grafik Befallsstärke 17.10.2025). Deutlich negativ fielen bei diese Bonitur Variante 2 (80 % Befallsstärke) und Variante 8 (82,5 % Befallsstärke) auf.
Hinsichtlich der Zuckererträge spiegelt sich die optische Bonitur der Befallsstärke in den Erträgen wider. Den niedrigsten Zuckerertrag zeigte, wie zu erwarten, die unbehandelte Kontrolle der BTS 7300 N (18,27 t/ha). Deutlich höhere Erträge konnten durch die unterschiedlichen Kombinationen und Strategien erzielt werden. Im Block I zeigten sich folgende Ertragssteigerungen: Bei Erstmaßnahme mit Propulse, gefolgt von Diadem (2. Applikation) und Amistar Gold (3. Applikation) konnten deutlich höhere Erträge erzielt werden, im Vergleich zur umgekehrten Spritzmittelreihenfolge, bei der mit dem schwachen Produkt Amistar Gold begonnen wurde. Eine Behandlung mit Kupfer zu Bestandesschluss, gefolgt von drei weiteren Applikationen mit Propulse, Diadem und Amistar Gold nach Bekämpfungsschwellensystem führte zu keinem Mehrertrag (ZE 20,23 t/ha) im Vergleich zur Variante 3. Ein deutlich positiver Effekt konnte allerdings durch die Zugabe von Kupfer zu den einzelnen gefahrenen Produkten (Propulse/Diadem/Amistar Gold) beobachtet werden. Der Zuckertrag lag bei 21,34 t/ha.
Im Block II sollte untersucht werden, inwiefern sich Unterschiede ergeben, wenn die 1. Maßnahme bei Erreichen der Bekämpfungsschwelle von 5% gesetzt wird, alle weiteren Folgemaßnahmen im festen Abstand von 14 Tage gefahren werden (Var. 8-11). Gleichzeitig wurde die unterschiedlichen Anzahl an Behandlungen mit Propulse bewertet. Der Systemvergleich zeigte, dass ein fester Spritzabstand von 14 Tagen funktioniert. Dabei konnten jedoch höhere Erträge erzielt werden, je häufiger mit Propulse behandelt wurde. Ein verspäteter 1. Applikationstermin und festem Abstand von 14 Tagen bei den Folgemaßnahmen, wie in Var. 12, führte dabei zu einer weiteren Ertragssteigerung (ZE 21,56 t/ha, Vgl. Var. 9 und 12).
Die Cercospora-tolerante Sorte Blandina KWS, welche zweimalig mit Propulse behandelt wurde, zeigte die beste optische Bonitur in der Befallsstärke von Cercospora. Genetisch bedingt liegt diese Sorte auf einem deutlich niedrigerem Ertragsniveau als die Sorte BTS 7300 N. Dennoch konnte durch die zweimalige Behandlung mit Propulse ein Zuckerertrag von 20,59 t/ha erzielt werden. Für Starkbefallsstandorte stellen die CR+ Sorten hinsichtlich der Sortenwahl dennoch eine sichere Option und Absicherung des Zuckerertrages dar.







