Im Versuchsjahr 2025 führte die ARGE NORD e.V. eigene Versuche zu unterschiedlichen Strategien zur Bekämpfung von Cercospora, Rost und Mehltau durch. Insgesamt wurden diese Versuche an drei unterschiedlichen Standorten (n=3) angelegt. Neben Schmedenstedt (LK Peine) und Barum (LK Uelzen) erfolgte dies auch am Standort Hankensbüttel (LK Uelzen).
Angelegt wurde der Versuch mit zwei unterschiedlichen Sorten: BTS 7300 N, eine mittelanfällige Sorte hinsichtlich Cercospora, sowie Blandina KWS, eine der bekannten CR+ Sorten der KWS, welche eine sehr hohe Blattgesundheit hinsichtlich Cercospora aufweist. Aussaatdatum war der 08.05.2025 auf Engsaat. Die Vereinzelung am Standort Hankensbüttel war am 15.06.2025 abgeschlossen. Beerntet wurde der Versuch am 13.11.2025.
Zum Versuchsaufbau: Der Fungizidversuch wurde in vier verschiedene Versuchsblöcke eingeteilt, wobei in den Blöcken I bis III die Sorte BTS 7300 N stand, in Block IV die cercosporatolerante Sorte Blandina KWS.
Block I stellte ein Strategievergleich nach dem üblichen Bekämpfungsschwellensystem (BKS) dar, wobei unterschiedliche Wirkstoffstrategien getestet wurden. Zum einen wurde der Einfluss unterschiedlicher Wirkstoffabfolgen innerhalb einer Fungizidstrategie untersucht. Dabei stellte die Variante 2 eine Strategie dar, bei der die Behandlung mit einem weniger wirksamen Produkt beginnt und im weiteren Verlauf auf ein leistungsstärkeres Produkt umgestellt wird. Dieser Strategie stand Variante 3 gegenüber, bei der zu Beginn ein potentes Fungizid eingesetzt und anschließend auf Produkte mit abnehmender Wirkungsstärke gewechselt wird. In den Varianten 4 bis 6 wurde der Zusatz von Kupfer untersucht. Variante 7 basierte auf dem Einsatz von Propulse, ohne Wirkstoffwechsel.
Der zweite Block sollte stellte einen Strategievergleich dar, bei dem die Anzahl bzw. Häufigkeiten an Fungizidbehandlungen gesteigert wurde, um feststellen zu können, ab welcher Anzahl Spritzungen der weitere Einsatz von Fungiziden keinen Mehrertrag mehr liefert. Neben der Anzahl Spritzungen, wurde die Terminierung der Applikationen überprüft. Der erste Applikationstermin wurde dabei bei Erreichen der üblichen 5%-Schwelle gesetzt, alle weiteren Bekämpfungsmaßnahmen wurden in einem festen Abstand von 14 Wochen durchgeführt. Es wurde lediglich ein Produkt eingesetzt, da hier neben der Anzahl an Behandlungen, die Terminierung im Fokus stand (Variante 8 bis 11).
Innerhalb des dritten Blockes wurde eine Variante (Variante 12) nach Berücksichtigung des Befalls und der Infektionsbedingungen anhand des Prognosesystems Cercbet 1 getestet, wodurch sich ein verspäteter Applikationstermin ergab (Variante 12).
Im vierten Block wurden individuelle Applikationszeitpunkte nach Bekämpfungsschwellensystem anhand der gesunden CR+ Sorte gesetzt (Variante 13).
Ab dem 27.06.2025 wurden wöchentlich die Befallshäufigkeiten im Versuch bonitiert (siehe Grafik Befallshäufigkeiten). Am 11.08.2025 erreichte die unbehandelte Kontrolle eine Befallshäufigkeit von 100 %. Die behandelten Varianten lagen ebenfalls nahe 100 % Befallshäufigkeit. Die CR+ Sorte zeigte zu dem Zeitpunkt eine Befallshäufigkeit von etwa 18 % Cercospora, allerdings konnte deutlich mehr Rost (etwa 80 %) in der CR+ Genetik bonitiert werden. Ab dem 11.08.2025 wurde der Versuch deshalb im weiteren Vegetationsverlauf auf die Befallsstärke bonitiert.
Mitte/Ende September spiegelten sich die ersten Differenzierungen zwischen den Varianten in der Befallsstärke wider. Tendenziell am schwächsten zeigte sich zu diesem Zeitpunkt die Variante 2, bei der die Rüben zunächst mit Amistar Gold (1. Applikation) behandelt wurden, gefolgt von Diadem und Propulse in der 2. und 3. Applikation (ca. 21,3 % Befallsstärke). Die unbehandelte Kontrolle lag Mitte September, wie erwartet, bereits auf einem deutlich höheren Befallsstärke-Niveau von Cercospora (ca. 86,3 %).
Bis Mitte Oktober konnte ein deutliches Fortschreiten der Cercosporaentwicklung im Versuch beobachtet werden. So konnten am 13.10.2025 nochmal deutlichere Differenzierungen in der Befallsstärke von Cercospora am Standort Hankensbüttel festgestellt werden. Am 13.10.2025 zeigte die unbehandelte Kontrolle am Standort Hankensbüttel eine Befallsstärke von nahezu 100 % . Die durchgeführten Maßnahmen und Strategien führten zu einer deutlich niedrigeren Befallsstärke von Cercospora. Die Variante 2 (Amistar Gold als erstes eingesetztes Produkt) wies Mitte Oktober knapp 56 % Befallsstärke von Cercospora auf. Auf ähnlichem Befallsniveau lagen Variante 3 (52,3 %) und Variante 5 (51,3 %). Eine deutliche Verbesserung hinsichtlich der Bekämpfung von Cercospora stellte die Kombination aus dem jeweiligen Produkt (Propulse/Diadem/Amistar Gold) plus Kupfer dar (Var. 6; 20,5 % Befallsstärke) dar. Vorab wurde diese Variante, wie Variante 5, bereits zu Bestandesschluss mit Kupfer behandelt. Dabei lag die Befallsstärke Mitte Oktober in Variante 6 bei 20,5 %. Ähnlich effizient zeigte sich Variante 7 nach dreimaligen Behandlung mit Propulse (22,8 %).
Im Block II erfolgte die 1. Maßnahme mit Propulse nach Erreichen der Bekämpfungsschwelle von 5 %, alle weiteren Folgemaßnahmen mit Propulse wurden in einem festen Abstand von 14 Tagen nach vorheriger Maßnahme gesetzt. Auch am Standort Hankensbüttel zeigte sich, dass eine häufigere Applikation mit Propulse zu geringerem Cercospora-Befall führte (Var. 8-10) und dass eine zweifache Behandlung mit Propulse an solchen Starkbefallsstandorten nicht ausreichend ist.
Ein verspäteter 1. Applikationstermin (eine Woche später), wie in Variante 12 in Block III, erwies sich als sehr positiv hinsichtlich der Befallsstärke (6,0 %) . Den niedrigsten Befall mit Cercospora zeigte die CR+-Genetik in Block IV nach zweimaliger Behandlung mit Propulse (Var. 13; 1,8 % Befallstärke von Cercospora). Am Standort Hankensbüttel ist der Anbau von CR+ Genetiken daher sehr sinnvoll.
Eine weitere Bonitur der Befallsstärke kurz vor der Ernte zeigte ähnliche Differenzierungen der einzelnen Strategien, allerdings auf einem höheren Niveau (s. Grafik Befallsstärke 23.10.2025).
Hinsichtlich der Zuckererträge spiegelt sich die optische Bonitur der Befallsstärke in den Erträgen wider. Den niedrigsten Zuckerertrag zeigte, wie zu erwarten, die unbehandelte Kontrolle der BTS 7300 N (12,21 t/ha). Deutlich höhere Erträge konnten durch die unterschiedlichen Kombinationen und Strategien erzielt werden. Im Block I zeigten sich folgende Ertragssteigerungen: Variante 2, 3 sowie 5 waren auf ähnlichem Zuckerertragsniveau. Dazu konnte im Vergleich ein höherer Ertrag in Variante 6 durch die Kombination aus systemischen Produkten (Propulse/Diadem/Amistar Gold) und Kupfer erzielt werden. Den höchsten Zuckerertrag brachte die dreimalige Behandlung mit Propulse.
Im Block II sollte untersucht werden, inwiefern sich Unterschiede ergeben, wenn die 1. Maßnahme bei Erreichen der Bekämpfungsschwelle von 5% gesetzt wird, alle weiteren Folgemaßnahmen im festen Abstand von 14 Tage gefahren werden (Var. 8-11). Gleichzeitig wurde die unterschiedlichen Anzahl an Behandlungen mit Propulse bewertet. Der Systemvergleich zeigte, dass ein fester Spritzabstand von 14 Tagen funktioniert. Dabei konnten jedoch höhere Erträge erzielt werden, je häufiger mit Propulse behandelt wurde. Allerdings brachte eine 5. zusätzliche Behandlung von Propulse keinen zusätzlichen Ertragseffekt.
Block III: Ein verspäteter 1. Applikationstermin und festem Abstand von 14 Tagen bei den Folgemaßnahmen, wie in Var. 12, führte zu einer deutlichen Ertragsabsicherung am Standort Hankensbüttel (ZE 17,04 t/ha).
Die Cercospora-tolerante Sorte Blandina KWS in Block IV, welche zweimalig mit Propulse behandelt wurde, zeigte die beste optische Bonitur in der Befallsstärke von Cercospora. Genetisch bedingt liegt diese Sorte auf einem deutlich niedrigerem Ertragsniveau als die Sorte BTS 7300 N. Für Starkbefallsstandorte stellen die CR+ Sorten hinsichtlich der Sortenwahl dennoch eine sichere Option und Absicherung des Zuckerertrages dar.







